dialog

Was treibt mich ein Bild zu malen? 

Welche Themen sind wirklich von Belang,

nicht nur für mich sondern für unsere Zeit?

Gibt es nicht schon genug Bilder?

Bilder sind Zeugen einer Zeit. In diesen Zeitraum bewege ich mich.
In dem Sinne sind sie immer von Belang.

In was für eine Zeit leben wir?
Ich denke entscheidend ist das wir anerkennen müssen, das nur ein Bruchteil unserer Realität ist materiell sichtbar. Was wir als „Welt“ wahrnehmen, macht vielleicht fünf Prozent dessen aus.
Der weitaus größere Teil existiert als feldhafte Realität – als Beziehungsraum, in dem Formen, Erinnerungen und Bedeutungen in ständiger Bewegung stehen.
Ich nenne diesen Raum das morphogenetische Feld.
Ich habe mich viele Jahre mit Neuroschamanismus beschäftigt und wurde von Alberto Villoldo in schamanische Praktiken eingeführt.
Das war für mich der Schlüssel zu einem neuen Verständnis der Malerei.


Was verstehst du unter Malerei?

Die Beschäftigung steht für mich ganz am Anfang.
Die Beschäftigung mit Farbwerten und Schwingungen – also lebendigen Energien im Sichtbaren – ist kaum ausgelotet.
Es gibt kein „Rot“, kein „Gelb“, kein „Blau“ an sich.
Farbe wirkt als Symbolträger – eingebettet in kulturelle, politische und religiöse Bedeutungsräume.
Schon beim Öffnen der Augen sind wir von Farbräumen umgeben, die uns in Resonanz versetzen können.
Wesentlich ist die Hingabe an die Welt der Farbe.


Also doch wieder das Sichtbare, das dich thematisch beschäftigt?

Ich habe Motive gesucht , die in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind, dort ist für mich die Baustelle von der ich aus agiere. Ein Motiv, das bereits als Bild in uns existiert – entmaterialisiert, aber wirksam.

Was heißt das konkret?
Seit 2011 arbeite ich mit Bildern von Vermeer.
In diesem Jahr kamen u. a. die Mona Lisa und die Venus von Velázquez hinzu.
In diesen Bildern kommt etwas zur Sprache – um Heidegger zu zitieren – das über den Künstler hinausweist.
Warum das so ist, entzieht sich dem Diskurs.
Es vollzieht sich nonverbal.
Meine Aufgabe ist es, diese Bilder – und damit das kollektive Gedächtnis – in Schwingung zu versetzen,
ihre lebendige Struktur erfahrbar zu machen.
Ich arbeite formal mit Motiv und Farbgebung,
und in der Spannung zwischen intuitiver Pinselbewegung und der Selbsttätigkeit der Farbe entsteht eine Bildsprache, die nicht mich thematisiert, sondern im Kollektiven bleibt.
Mein Ziel ist es, im morphogenetischen Feld zu malen.
Wenn man so will, verstehe ich meine Bilder als erfahrbare Quantenfelder.

Was möchtest du mit deinen Bildern erzielen?
Ich möchte eine Erfahrung ermöglichen, die über das Bekannte hinausführt.
Die Mona Lisa bleibt die Mona Lisa – und doch kann sie „auf Reisen“ gehen.
Die Venus beginnt sich zu entmaterialisieren. Spiegel und Amor verdoppeln sich.
Die Farbe breitet sich aus, und aus der Nähe öffnet sich das Bild zu einem amorphen, vibrierenden Feld. Heidegger nannte das „Ins Offene“. Deleuze hat in diesem Zusammenhang Wesentliches geschrieben – über Bacon (die Intuition) und Kafka (die Deterritorialisierung).